Archiv für die Kategorie 'Impfpräventable Erkrankungen'

Catherina

Cochrane Collaboration zur Grippe

Ich war gestern bei einem sehr interessanten Vortrag von Sir Iain Chalmers, Mitbegründer und Direktor der Cochrane Collaboration. Er sprach über die verschiedenen Medizinischen Untersuchungsreihen die gemacht werden müssen, um behaupten zu können, dass ein neues Medikament, Impfstoff oder andere Behandlung 1. wirksam und 2. besser und nicht schädlicher ist als keine Behandlung oder ältere Behandlungsmethoden. Chalmers sprach über die Geschichte der Behandlung von Lungenentzündung (Aderlass noch bis ins 20te Jahrhundert), Behandlung und Prävention von Diphtherie, und die Prävention von Pertussis und Masern. Ich hoffe die James Lind Library oder das Public Health Department der Universität Edinburgh veröffentlicht den Vortrag. Bis dahin kann man die Ideen Chalmers in dem Buch von Evans, Thornton and Chalmers “Testing Treatments” , zum freien Download bei der James Lind Library lesen.

Da die Grippe im Moment durch die Medien geht hat Sir Iain auch auf die neue Seite der Chochrane Collaboration über alle ihre Grippe Studien hingewiesen und Dr Tom Jefferson’s pod cast gespielt, der in ein paar Minuten das Wichtigste in Sachen Impfung, Behandlung und Prävention zusammenfasst. Den Podcast gibt es hier unten zum Anhören und er fällt unter Umständen etwas anders aus als manche vermuten würden:

Special Podcast - summary of Cochrane Reviews on influenza

Play Now! | Download [mp3]


Aus der Zeit-Online:

Die Masern wurden schon zynisch als treueste Verbündete des Christopher Kolumbus im Kampf gegen die Azteken bezeichnet. Tatsächlich raffte die Seuche damals die Ureinwohner Amerikas in Massen dahin. Heute könnte, wie das Fachblatt The Lancet gerade feststellte, Deutschland die Masern in alle Welt exportieren. Im Ranking der Masern-Fälle steht Deutschland auf Rang 26, nur einen Platz unter Usbekistan und zwei Plätze vor Sambia und dem Tschad.

Es ist absehbar, dass das Ziel der Weltgesundheitsorganisation, Europa bis 2010 masernfrei zu bekommen, nicht erreicht wird. Und ausgerechnet deutsche Eltern sind dafür mit verantwortlich. Unterstützt von einer Gruppe aufklärungsresistenter Ärzte sind sie der Meinung, ihren Kindern schade eine Masern-Impfung mehr als das Risiko der Krankheit. Nun mag man ja der Ansicht sein, dass Impfungen Teufelszeug seien, wenn aber das eigene Kind andere Kinder mit gefährlichen Viren ansteckt, trägt man eine Mitverantwortung für die Folgen.

Den Impfkritikern ist zuzugestehen, dass der mögliche Schaden durch eine Infektion abgewogen werden muss gegen die Nebenwirkungen einer Impfung. Für die Masern-Impfung fällt die Bilanz allerdings eindeutig aus: Bei Ungeimpften tritt in einem von rund 20.000 Infektionsfällen eine oft tödliche Hirnentzündung auf. Nach Hunderttausenden Impfungen hingegen wurden beim Paul-Ehrlich-Institut 15 Todesfälle in Verbindung mit dem Kombinationsimpfstoff gegen Mumps, Masern und Röteln gebracht (und das, ohne dass damit ein ursächlicher Zusammenhang bewiesen wäre). Viele Langzeitschäden werden zwar gern behauptet, sind aber bisher nicht belegt. Gleichwohl lehnen manche Ärzte und Eltern aus ideologischen Gründen noch immer die Impfung ab – oder vergessen den zweiten Impftermin.

Das ist nicht nur für deutsche Gesundheitswächter alarmierend. Das Verhalten der vermeintlich »aufgeklärten« Westler ist auch ein irritierendes Signal für die Entwicklungsländer. Dort fielen bis vor zehn Jahren noch jährlich eine Million Kinder den Masern zum Opfer. Aber durch groß angelegte Impfkampagnen sank in nur sieben Jahren die Zahl der Todesopfer unter Kindern von 750.000 auf 197.000. Angesichts dieses Erfolges ließe sich sogar eine Welt vorstellen, in der Masern ausgerottet sind. Doch die »naturbelassenen« Kinder deutscher und anderer Impfkritiker bilden ein Reservoir für die erneute Ausbreitung des Virus. Es reicht, dass eine reisefreudige Kleinfamilie die Krankheit in ein masernfreies Reiseland trägt. Da in vielen Entwicklungsländern Vitamin-A-Mangel herrscht, sterben oder erblinden dort die Kinder sehr viel häufiger an Masern.

So dokumentiert das Schicksal der Masern-Kampagnen augenfällig, wie erfolgreich öffentliche Gesundheitspolitik in Entwicklungsländern sein kann und wie abergläubisch manche Menschen in den sogenannten entwickelten Ländern sind.

Gesundheit gilt bei uns gemeinhin als Privatsache. Doch dieses Privatinteresse endet dort, wo die Gesundheit anderer bedroht ist.

Hier gibt es den ganzen Artikel

vaccinia

Masernausbruch in Salzburg

Es ist unglaublich wie kinderfeindlich und ignorant Impfgegner sind!

Da schreibt eine Universitas Paracelsus - medizinische Abteilung der biologischen Fakultät - die wohl nur ein Postfach hat, Folgendes:

“Gott sei Dank gibt es sie noch: die Masern - so können glückliche Salzburger Kinder unerwünschtes Erbgut in 10 Tagen abstoßen und müssen es nicht ein Leben lang mitschleppen.”

So ein Unsinn findet sich natürlich auf der HP der Österreichischen Hamer nahen initiative.cc

http://www.initiative.cc/Artikel/2008_04_02%20Masern_Paracelsus.pdf

Catherina

Kindermund tut Wahrheit kund

X ist zurück in der Klasse meiner Tochter. In der Woche nach den Osterferien war er zu hause mit Masern. Auf die Frage meiner Tochter, ob er denn nicht geimpft gewesen sei, kam die Antwort:

Meine Mutter denkt, dass Masern gut für mich sind, deshalb war ich nicht geimpft. Ich finde das doof, denn Masern haben mir garnichts gebracht.

Glücklicherweise war der Junge nicht sehr schwer erkrankt. Ich finde es dennoch bemerkenswert, dass er lieber zur Schule gegangen wäre.

1000 Kilometer weiter arbeiten sich die Masern in Deutschland auch nach Norden vor. Deshalb wurde vor 2 Wochen Kimberly gegen Mumps, Masern, Röteln und auch gleich Windpocken geimpft. Kimberly leidet unter Dravet Syndrom, einer schweren Epilepsie. Anfälle werden besonders leicht von Fieber ausgelöst, deshalb wären Masern, die oft mit Wochen langem Fieber einhergehen, für Kimberly lebensgefährlich. Aber auch Impfungen haben bei Kimberly schon einige Anfälle verusacht, weswegen ihre Mutter den Nutzen jeder Impfung genau gegen die Risiken abwägen muss. Glücklicherweise hat Kimy die Impfung verhältnismäßig gut überstanden. “Nur” 3 kleinere Anfälle in den 2 Wochen nach der MMR und jetzt dafür Schutz vor den Masern, von denen Kimberlys Mutter weiss, dass sie nicht gut für Kimberly wären.

Catherina

*das* ist ein Ausbruch

In den letzten Tagen musste ich immer wieder an Crocodile Dundee denken - hier, an diese Szene (nur die ersten 45 Sekunden gucken- auf Deutsch gab es den Ausschnitt leider nicht):

In San Diego, USA, gab es Ende Februar einen kleinen Masernausbruch. 12 Kinder (alle ungeimpft) steckten sich an, ausgehend von einem ungeimpften 7jährigen Kind, das in die Schweiz gereist war (also ich hätte mir Schoggi mitgebracht, aber ohne Impfschutz kann man sich das nicht so aussuchen). In den gesamten Vereinigten Staaten treten jedes Jahr nur noch um die 50 Masernfälle auf und deshalb waren dann 12 auch der Anlass für Aufregung in den Medien und einen Ausbruchsbericht im Mitteilungsblatt des Centers for Disease Control (CDC).

12 Fälle in 3 Wochen?! Na, also da haben wir doch was, was die Europäer besser können! Die Schweizer zum Beispiel, hatten seit Anfang Jahr über 600 Masernfälle und dabei haben die mit 7.5 Millionen Einwohnern nur ein Vierzigstel der Einwohner der USA. Und die Schweiz hat Masern zum Exportschlager gemacht - dieses Jahr sind Masern aus der Schweiz schon nach San Diego, Arizona, Hawaii, Deutschland und nach Österreich. Österreich ist mindestens genauso effizient: in den drei Wochen nach Ostern hat eine einzige Schule 3x soviele Masernfälle zusammengebracht wie die USA in 3 Jahren. Masern sorgen noch für Schulschliessungen in Österreich und Deutschland und Vorlesungsausfall in Innsbruck (potentiell auch in Salzburg)!

*Das* ist ein Ausbruch!

Es ist bloss die Frage, ob in diesem Fall nicht die Amerikaner mehr Grund haben, anzugeben. Ihnen ist durch konsequentes 2xMMR Impfen gelungen, Masern so gut wie auszurotten. Masernfälle sind in der Regel importiert und verbreiten sich kaum. Maserntodesfälle treten, im Gegensatz zu Europa, nicht mehr auf. Gelungen ist das in den USA unter anderem durch eine Impfpasskontrolle bei Kindergarten oder Schuleintritt. Wer nicht den Impfempfehlungen folgt, muss einen guten Grund haben. Es gibt medizinische Ausnahmen (für Kinder die nicht geimpft werden können) und je nach Bundesstaat auch philosophische (für Impfgegner) und religiöse (zum Beispiel für Zeugen Jehovas) Ausnahmen. Insgesamt bleibt bisher aber die Durchimpfungsrate so hoch, dass große Ausbrüche nicht auftreten, weil die Masern keinen “Nährboden” in Form von nicht Immunen finden.

Auch in Deutschland wird eine solche “Keine Impfung, kein Kindergartenplatz” Regelung gerade wegen der großen Masernausbrüche im Moment diskutiert (während des akuten Ausbruch wird die Impfpasskontrolle an den Schule ja schon praktiziert). Und so fördert letztendlich die Impfskepsis einiger Eltern (wie die an der Salzburger Waldorfschule) ein Impfmandat, dass keiner wirklich will.

Gesunder Menschenverstand und ein Blick auf die Zahlen sollte allen Eltern genügen sich für die Impfung zu entscheiden.