Für Impfen: Fallbericht Menigitis Charlotte Cleverly Bisman

Ein Argument gegen Impfungen gegen bakterielle Infektionen hört, ist, dass man “da ja Antibiotika geben kann”. Das Für Impfen Team hat jetzt einen Fallbericht einer Meningokokkeninfektion veröffentlicht, der beeindruckend klar stellt – die Bakterien sind schneller als jede Behandlung. Ein Fallbericht sollte sicher nicht die einzige Entscheidungsgrundlage für oder gegen eine Impfung sein, aber dieser ist nicht untypisch und soll zum Nachdenken anregen (dazu passt auch unser Beitrag von gestern):

Der folgende Bericht ist von Charlottes Vater, Perry Bisman, 2005:„Der 17. Juni 2004 wird mir für immer schmerzhaft in Erinnerung bleiben als der Tag, der wie jeder andere begann und im furchtbarsten Albtraum aller Eltern endete. [Meine Tochter] hat mit schrecklichsten Folgen den Kampf gegen eine Meningokokkenvergiftung gewonnen.

Ich fuhr zu meiner Arbeitsstelle, wo ich als Leiter für Kommunikation tätig war. Charlottes Mutter rief mich so gegen halb neun an, kurz nachdem ich auf Arbeit angekommen war, um mir zu berichten, dass sich das Baby in der Nacht übergeben hätte und nicht ihr normales, fröhliches Selbst heut morgen war. Obwohl wir beunruhigt waren, dachten wir zu allererst an Zahnungsbeschwerden, mit denen wir jederzeit rechneten. Da Charlotte in den ersten sechs Monaten ihres kurzen Lebens nicht ein einziges Mal krank gewesen war, nicht einmal mit einem Tropfnäschen, sorgten wir uns also nicht, sondern nahmen diese Umstände einfach zur Kenntnis.

Um 10:30 klingelte das Telefon wieder. Diesmal war Pam [Charlottes Mutter] hysterisch. Ich konnte sie kaum verstehen, aber am Ende dennoch ausmachen: „Dein Baby hat eine Meningitis!“

„Oh mein Gott!“ Ich sprang auf. „Bin auf dem Weg.“ Ich konnte nicht schnell genug losspurten. Die kurze Autofahrt war eine schier endlose Prüfung meiner Geduld und der Regeln des Straßenverkehrs.

Als ich endlich im Ostend Medical Center, Waiheke Island, so ungefähr fünf Minuten später eintraf, sprintete ich am Empfang vorbei und schrie nur: „Pam! Pam! Wo seid ihr?“ Es dauerte nicht lang, bis ich sie gefunden hatte. Hinter einem Vorhang konnte ich viele, besorgt klingende Stimmen raunen und Pams unkontrollierbares Weinen hören.

Charlotte war bis auf ihre Windel nackt und hatte kleine, kaum sichtbare Punkte an ihrem ganzen Körper. Vor gerade mal 10 Minuten hatte Pam einige Pünktchen auf Charlottes Nacken entdeckt und ist, das Schlimmste befürchtend, direkt in die Klinik gefahren.

Das medizinische Personal versuchte verzweifelt eine Vene zu erhaschen, um Charlotte Penicillin zu verabreichen, was sich aber als äußert schwierig bei unserer kleinen Charlotte gestaltete. Eine Beatmungsmaske für Erwachsene bedeckte ihr komplettes Gesicht. Sie sah mich vage an und ihre Augen rollten einfach weg. Sie war bereits auf dem Weg ins Koma.

### Rettungshubschrauber ###

Ein Rettungshubschrauber wurde gerufen und wir fuhren dann im Rettungswagen zum Sportplatz der Schule, wo dieser den Krankentransport übernehmen sollte. Als wir in der Luft waren, wurde mir klar, wie ernst die Lage war, aber noch nicht, wie schlimm es um unser Baby wirklich stand. Ich dachte, weil wir so früh reagiert hätten, würde die Ausbreitung aufgehalten werden können und Charlotte nach einem kurzen Krankenhaus wieder fit sein.

Die Crew des Rettungshubschraubers war fantastisch. Sie bereiteten uns darauf vor, dass wir es mit einer ernsthaften Erkrankung zu tun hätten und man uns gleich nach der Landung viel Information unterbreiten würde und wir versuchten sollten, uns darauf zu konzentrieren. Mein Wissen um diese Erkrankung war recht begrenzt, um es mal milde zu formulieren. Ich kannte natürlich das Wort Meningitis, wusste aber doch sehr wenig über Meningokokken. Ich erinnerte mich an meine Mutter, wie sie stets mahnte: „Tauch nicht im warmen Schwimmbecken unter Wasser, sonst bekommst Du noch eine Hirnhautentzündung!“ Vermutlich meinte sie eine durch Amöben ausgelöste Meningitis, von der ich wußte, dass sie Gehirnschäden auslösen konnte und das war daher meine erste Sorge.

Ich hatte keine Ahnung, dass diese Erkrankung tödlich enden und die Amputation von Gliedmaßen notwendig sein könnte. Die Zerstörung des kleinen Körpers meiner Tochter, deren Zeuge ich gerade wurde, war verstörend.

### Notaufnahme ###

In der Notaufnahme versuchte das Team schnellstmöglich Charlotte zu stabilisieren. Sie rannten alle umher und instruierten einander mit besorgtem Tonfall. Das trug nicht gerade zu meiner Beruhigung bei und langsam dämmerte es mir, wie ernst die Situation wirklich war.

Sie mussten Charlotte in der ersten halben Stunde zwei Mal wiederbeleben.

Die Geräte und Monitore piepsten unermüdlich und gaben Geräusche von sich, die ich überhaupt nicht einzuordnen wußte und die für mich die Hölle waren. Ich rief meine Mutter an.

Als Charlotte endlich an alle Gerätschaften angeschlossen war und sie es fertiggebracht hatten, ihr endlich einen intravenösen Zugang im Knie zu legen, was sich wiederum als schwierig wegen ihrer zarten Figur erwies, wurden wir sofort auf die Intensivstation befördert, wo wir die nächsten 12 Tage verbringen sollten und zusahen, wie die Situation sich von schlimm zu noch schlimmer und am allerschlimmsten hin entwickelte.

### Intensivstation ###

Mit all den Infusionen, Bluttransfusionen, Antibiotika und Nährstoffen, die ihr auf unnatürlichem Wege zugeführt wurden, blähte sich Charlotte auf wie ein Ballon. Unser kleines Mädchen war nicht mehr zu erkennen, ihr kompletter Körper samt Gesicht färbte sich knallrot. Bläschen traten auf, die mit der Zeit hart und dunkel verkrusteten.

Sie musste beatmet werden. Flüssigkeit sammelte sich in der Lunge an. Im Magen bildeten sich Ulcer, die aufplatzten und einen einzigen Blutklumpen hinterließen, der ihre Nahrungsaufnahme durch die Magensonde behinderte. Die Nährstoffaufnahme wurde nun intravenös durchgeführt.

Jeden Tag mussten wir zusehen, wie der Tod ihren Körper immer mehr in Beschlag nahm. Zuerst wurden ihre roten Fingerspitzen schwarz und verwelkten wie trockene Blumen. In diesen ersten Tagen, dachte ich, dass uns vielleicht doch das fragwürdige Glück beschert wäre, nur ihre Fingerspitzen zu verlieren. Sie würde immerhin noch einen Stift oder einen Pinsel ergreifen können. Sie würde aber nie wieder mit ihrem Papa Gitarre spielen können (was wir gerade erst vor ein paar Tagen gemacht hatten).

Aber mit jedem Tag traten die irreparablen Schäden deutlicher zu Tage. Die Schwärze kroch langsam über ihre Handfläche in ihre Arme. Gleiches galt für die Beine. Als die Bläschenbildung begann, war sie einfach nur in dem jämmerlichsten Zustand überhaupt. Obwohl sie in einem medizinisch induziertem Koma verweilte, wimmerte sie, wenn man sie berührte, um ihren Popo zu reinigen. Sie durchlebte unbeschreibliche Schmerzen mit der Infektion, die in ihren Knochen wütete und das Personal verglich die Schmerzen zu Verbrennungen dritten Grades oder schlimmer. Die komplette Behandlung glich der eines Verbrennungsopfers.

In Charlottes Fall waren ca. 80 Prozent ihres Körpers betroffen, ihr Oberkörper war das Einzige, was relativ unbeschadet überlebte. Diese gesunde Haut wurde jedoch vom plastischen Chirurgen für die Rekonstruktion der betroffenen Regionen genutzt, so dass am Ende wirklich kein Körperteil unserer kleinen Charlotte von dieser bösartigen Erkrankung verschont blieb.

### Überwachungsstation ###

Als ob das alles nicht schon schlimm genug war, so mussten wir feststellen, dass Charlotte trotz aller medikamentösen Gaben, immer noch starke Schmerzen empfand und es notwendig wurde, ihr zusätzliche Dosen Morphium und Ketamin zu verabreichen, sobald sie Stuhlgang hatte. Sie erhielt als Basisdosierung bereits 5mg Morphium und 2,5mg Ketamin pro Stunde.

Es war unerlässlich sie sofort zu reinigen, da ihr Popo ebenfalls schlimm betroffen war. Als die Abgrenzung zwischen gutem und schlechtem Gewebe deutlich wurde, sah man auch große vereiterte Lücken, welche bei jeder Bewegung aufrissen. Ihr Unterteil wurde daraufhin dick mit SSD Creme eingeschmiert (Sulphadiazine Chlorhexidine Digluconate). Diese 1 cm dicke Schicht diente der Minimierung bakterieller Infektionen.

Alle drei Tage wurde ihr Verband gewechselt. Im OP wurde sie unter Vollnarkose neuverbunden, da ein solcher Wechseln zu schmerzhaft bei vollen Bewusstsein war. Danach war sie immer wie durch den Wind und die Schmerzen kehrten mit voller Wucht zurück. Wir hatten das Gefühl, dass sie nie verstand, was grad mit ihr passiert war. Charlotte entwickelte Argwohn jedem mit einer komischen Kopfbedeckung gegenüber, wie sie im OP getragen wurde. Im Endeffekt versetze jede Bewegung ihres Bettes sie in Panik voll in Erwartung der schlimmen Dinge, die ihrer harrten.

Wir bestanden letztendlich darauf, sie bereits vorher medikamentös ruhig zu stellen. Ruhigstellung hätten auch wir zu diesem Zeitpunkt gebraucht. Der Stress hatte auch uns gezeichnet.

Am Anfang der dritten Woche, blockierte Charlottes Katheter und musste daraufhin ausgetauscht werden. Auch der dickere „Hickman“ blockierte entgegen aller Vorhersagen und wurde ebenfalls ersetzt, wieder im OP, wieder unter Vollnarkose.

### Amputation ###

Wir wussten, dass die Amputation unausweichlich war. Der plastische Chirurg konnte uns am 3. Tag noch nicht sagen, was alles zu entfernen sei. Wir mussten zwingend auf die Abgrenzung warten und er wollte uns keine Hoffnung machen, falls er doch mehr entfernte. Ich musste ihn fast dazu zwingen, uns das „worst-case“ Szenarium mitzuteilen. Der orthopädische Chirurg machte uns klar, dass es nicht zweckführend ist, eine solche Prozedur zu besprechen, bevor sie durchgeführt wird, aber dass sie zwingend durchgeführt werden muss, sonst stürbe Charlotte ganz sicher. Am Tag vor der Amputation führten wir das Aufklärungsgespräch mit ihnen. Pam brach zusammen und konnte dem Gespräch nicht länger beiwohnen. Ich mutete mir die schrecklichen Details der bevorstehenden Operation zu, um informiert zu sein. Ich dachte nur daran, was die Crew des Rettungshubschraubers damals sagte: Fokussiert bleiben und jede Information aufnehmen.

Wir sprachen über die Schwierigkeiten einer solchen Amputation über- und unterhalb der Gelenke. Überhalb der Gelenke würden die Wachstumsfugen zerstört und auf infantilem Stand bleiben ohne mitzuwachsen, was das spätere Anpassen von Prothesen erschweren würde. Keine guten Neuigkeiten für mich. Um ehrlich zu sein, war das mit die schlimmste Nachricht, seit ich mir klar war, dass sie alle 4 Gliedmaßen verlieren würde.

Letztendlich wurde mir die Einwillungserklärung überreicht, was mir total surreal erschien. Der Titel des Formular brannte sich ein und mit meiner Unterschrift würde sich unser Leben und ihr Körper für immer dramatisch ändern. Mit zitternden Händen unterschrieb ich das Formular. Ich hätte es nicht getan, wenn ich gedacht hätte, dass es einen anderen Weg gäbe, aber mir wurde klar gesagt, dass sie sterben würde, wenn die toten Gliedmaßen dran blieben.

In dieser Nacht weinte ich ununterbrochen. Ich stand neben mit und wir beide hatten Albträume. Diese Entscheidung war die härteste und schlimmste Entscheidung meines Lebens, aber ohne Alternative. Als Charlotte am nächsten Tag in den Operationssaal gebracht wurde, sagte Pam nur: „Schneidet diese bösartige Erkrankung von meinem Baby weg.“ Ich war noch nicht ganz bei mir aber ich verstand sie völlig. Weg mit der Wurzel des Übels, welches ihr solche Schmerzen bereitet und lasst uns einfach die Essenz unserer kleinen, wunderschönen Tochter.

Während der acht einhalb Stunden andauernden Operation klingelte mein Telefon ununterbrochen. Die meisten unserer Freunde und Familie hatten über die Medien vom heutigen Tage erfahren und wollten uns beistehen.

Erstaunlicherweise war ich merkwürdig gelassen. Die Emotionsausbrüche der letzten Nacht hatte geholfen. Ich begann mich Pams Sichtweise anzunähern und mich mit dem Umstand abzufinden, dass wir von nun an ein Kind mit besonderen Bedürfnissen haben würden. Die Chirurgen kamen fast mit lächelnden Gesichtern nach ihrer langen Arbeit zu uns. Der Erfolg stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Sie erklärten uns, dass sie optimistischerweise die Amputation nicht überhalb der Gelenke vorgenommen hätten, wo dies möglich erschien.

Ich nahm diese Information mit Erleichterung zur Kenntnis, hieß das doch, dass das, was übrig geblieben war, normal mitwachsen konnte. Charlottes Vitalfunktionen seien durchweg stabil gewesen und sie befände sich in der Aufwachphase. Von ihrem Standpunkt betrachtet, war dies ein voller Erfolg.

Mit ihren gekürzten Gliedmaßen konfrontiert, erschien das dennoch alles unendlich weit weg und surreal. Wir hatten uns auf diesen Moment vorbereitet. Sie war noch unter schwerer Sedation und ganz blau. Sie bekam Morphium und dann noch mehr. Als sie wieder zu sich kam, war sie erstaunlich ruhig. Die Schmerzen waren natürlich nicht weg. Aber insgesamt erschien sie uns besser und wir sahen zuversichtlich der Genesung entgegen. Ich war dankbar, dass das Schlimmste der fürchterlichen Schmerzen vorbei war.

In der folgenden Woche verbesserte sich ihr Verhalten, doch entwickelte sie zusätzliche Infektionen und die optimistische Prognose der Ärzte geisterte mir unentwegt im Kopf herum. Wie sich herausstellte, war das, von dem ich annahm, das es eine gute Sache war, nur das Beste, das wir erhoffen konnten.

Eine Nachoperation war notwendig. Das war ein herber emotionaler Rückschlag für uns. Die Amputation überhalb der Gelenke war doch notwendig und damit auch die langfristige Entwicklung eingeschränkt. Damit hatte ich nicht gerechnet und versank in Depression.

Ich durchlebte duzende von potentiellen Szenarien und stellte mir vor, dass ihre Prothesen möglicherweise nie für sie nutzbar sein würden. Diese Möglichkeit ist immer noch real, aber ich versuche, das auszublenden und einfach dankbar für jeden Tag zu sein, an dem wir uns an ihrem Lächeln erfreuen dürfen und wir sie zum Lachen bringen können.

Nach dieser weiteren sieben einhalb ständigen Operation, ging es Charlotte nicht so gut. Es dauerte 2 Tage, bis sie wieder richtig bei uns war.

### Genesung ###

Die folgenden Tage waren von gemischten Gefühlen geprägt. Langsam wurden ihre Schmerzmittel abgesetzt. Sie musste wieder lernen, mit ihrem Mund zu essen. Dazu kamen nun Zahnungsbeschwerden. Sie war quengelig und ungnädig und die neuen Zähne störten sie. Aber auch die Hautransplantate juckten wohl. Doch dieses Herumwälzen hielt sie in Bewegung und förderte damit auch den Erhalt und und Aufbau ihrer Muskulatur. Sie überraschte uns und die Physiotherapeuten während ihrer Reha im Wilson Heim, wo wir für 3 Monate im Anschluss an den Klinikaufenthalt waren. Eine Woche vor ihrem ersten Geburtstag war sie fit genug, um nach Hause entlassen zu werden.“

——
Charlotte verbrachte 2 Monate in der Kinderklinik, 3 weitere Monate in der Reha. Heute ist sie 10 Jahre alt. Ein fröhliches Mädchen. Die Eltern jedoch sind durch diese Erfahrung gezeichnet.

In Deutschland wird – außer im Bundesland Sachsen – die Impfung gegen Meningokokken C erst ab dem zweiten Lebensjahr empfohlen. Die Impfung gegen Meningokokken B, an der Charlotte im Alter von 6 Monaten erkrankte, wird bisher nur einem ausgewählten Personenkreis bei Indikation empfohlen (außer in Sachsen, dort wird sie bereits generell ab dem 3. Lebensmonat empfohlen).[1][2] Beide Impfungen können durch Impfstoffe vorgenommen werden, die bereits am dem 3. Lebensmonat zugelassen sind.[3]

Textquelle:
http://www.charlottecleverleybisman.com/about.html

Bildquelle:
http://www.greenstonetv.com/programmes/documentaries/private-lives/charlotte-my-story/

Übersetzung: Für Impfen

Quellen:
[1] http://www.gesunde.sachsen.de/download/lua/LUA_HM_Impfempfehlungen_E1.pdf
[2] http://www.aerzteverein-oberlausitz.de/downloads/aktuelle-SIKO-empfehlungen.pdf
[3] http://www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoff-impfstoffe-fuer-den-menschen/meningokokken/meningokokken-node.html

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Für Impfen: Warum soll man gegen Meningokokken impfen?

schon wieder ein hervorragender Beitrag vom Für Impfen Team:

Fester Bestandteil des deutschen Impfplans für Kinder ist die Impfung gegen Meningokokken (Typ C).

Meningokokken (lat. Neisseria meningitidis) sind Bakterien, die durch Tröpfchen übertragen werden, sich an die Schleimhäute heften und dort über einen längeren Zeitraum verbleiben. Bei Schwächung des Immunsystems, z.B. durch andere Infektionen, kommt es zu einer Vermehrung der Meningokokken, die dann die Schleimhäute durchdringen und verschiedene, teils schwere Erkrankungen auslösen – meistens eine Meningitis (Hirnhautentzündung).

Eine Meningokokkenerkrankung beginnt mit hohem Fieber, einem starken Krankheitsgefühl, Erbrechen, Schmerzen, Krämpfen und Bewusstseinsstörungen – ein wichtiges “Alarmsignal” für die Meningitis ist die Nackensteifigkeit, bei der der Patient den Kopf nicht mehr nach vorne neigen kann (bei Säuglingen kann sie fehlen). In schweren Fällen verschlechtert sich der Zustand des Patienten in nur wenigen Stunden so drastisch, dass er nicht mehr oder nur mit großen Schädigungen gerettet werden kann.

Ursächlich dafür sind Bakterien, die in die Blutbahn gelangen und so zu einer Sepsis (=Blutvergiftung) führen – bei einem Drittel der Infektionen. Bei 15% dieser Fälle tritt das sog. Waterhouse-Friderichsen-Syndrom auf, bei dem die freigewordenen Endotoxine zu einer intravasalen Gerinnungsstörungen führen – es kommt zu starken Einblutungen in Haut, Schleimhäuten und Organen, die Nebennierenrinde wird zerstört. Unbehandelt führt es immer zum Tode.

Die Letalität bei einer Sepsis mit Waterhouse-Friderichsen-Syndrom liegt in Deutschland bei 33%, oft müssen Gliedmaßen amputiert werden und die Überlebenden sind den Rest ihres Lebens körperlich behindert. Aber auch ohne diese extreme Verlaufsformen kann es nach einer Meningitis zu Folgeschäden wie Hirnnervenlähmung, Krampfanfällen, Lernschwierigkeiten und Taubheit kommen.

In Deutschland werden die meisten Meningokokken-Erkrankungen durch die Serotypen B und C hervorgerufen. Gegen beide kann man impfen, die Impfung gegen den Typ B ist jedoch noch nicht von der STIKO allgemein empfohlen, der Impfstoff wurde allerdings bereits 2013 zugelassen und wird verwendet, allerdings nur von wenigen Krankenkassen bezahlt; teilweise erfolgt die Kostenerstattung über das Budget “Reiseimpfung”. Es lohnt sich, also bei Impfwilligkeit nachzufragen.

Sollte man gegen Meningokokken impfen lassen? Es kommt jedes Jahr in Deutschland zu einigen hundert Erkrankungen, wobei die Zahlen dank der Impfung rückläufig sind. Ca. zehn Prozent der Erkrankten sterben an der Infektion, und das oft so erschreckend schnell, dass auch die beste medizinische Versorgung keine Chance hat. Deswegen ist trotz der kaum Angst einflößenden geringen Fallzahl die Impfung auf jeden Fall sinnvoll – besonders gefährdet sind Kinder unter vier Jahren und junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren. Bis zum vollendeten 18. Lebensjahr werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen.

In Großbritannien zählt die Meningokokkenschutzimpfung vor Typ B bereits jetzt zum Standard. Dort haben Betroffenenverbände stark für die Einführung der Impfung gekämpft. Anne Geddes hat eine Fotoserie im Auftrag der Betroffenenverbände erarbeitet, welche die Folgen darstellt (finanziert wurde das von dem Impfstoffhersteller Novartis). Boris Becker und seine Frau haben ihren vierjährigen Sohn Amadeus ganz aktuell impfen lassen. Das Paar lebt in Großbritannien.

Lesestoff:
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Meningokokken.html
http://dgk.de/gesundheit/impfen-infektionskrankheiten/krankheiten-von-a-bis-z/meningokokken-erkrankungen.html
http://www.aerzteblatt.de/archiv/77590/Meningokokken-C-Unterschaetzte-Gefahr

Fallbeispiele:
http://dgk.de/fileadmin/user_upload/AGMK/Fachleute/AGMK_Bericht_WFS_2010_final.pdf
http://www.merkur-online.de/lokales/muenchen/stadt-muenchen/junge-frau-stirbt-kurz-nach-untersuchung-1613421.html
http://www.comomeningitis.org/personal-meningitis-stories/

Fotoserie von Anne Geddes
http://www.comomeningitis.org/news-and-events/protecting-our-tomorrow-portraits-of-meningococcal-disease/

Boris Becker im Focus:
http://www.focus.de/kultur/vermischtes/boris-becker-angst-vor-meningitis-boris-und-lilly-lassen-ihren-sohn-impfen_id_4052196.html

Bildquelle: http://www.bioquellus.com/technology/microbiology/neisseria-meningitidis/

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Aliana hat SSPE

Max, Micha, und Natalie sind schon gestorben, Angelina kämpft noch mit SSPE. Wir kennen ihre Namen, denn Dank der Masernimpfung bekommen nur noch wenige Kinder diese tödliche Komplikation. Leider hat es nun ein weiteres Mädchen getroffen – also lasst uns ihren Namen lernen und über sie reden, um ihr Leben zu feiern, ihren Eltern beizustehen, und jeden an die Wichtigkeit der Masernimpfung zu erinnern, damit kein Kind mehr diesem exklusivem Club beitreten muss:

AlianaRollstuhlText

Aliana wurde Anfang 2010 geboren. 2010 war ein “mittleres” Masernjahr, “nur” 780 Fälle gab es, aber Aliana war einer von ihnen. Mit einem halben Jahr hat sie sich angesteckt, es ist nicht klar wo, bevor sie geimpft werden konnte, und hat zunächst die Krankheit gut überstanden. So schien es zumindest. Aliana wuchs, war ein fröhliches aufgeschlossenes Mädchen, fand schnell Freunde, weil jeder gerne mit ihr spielte. Rückblickend gesehen ist Aliana vielleicht etwas öfter hingefallen als andere Kinder aber sie war ja auch noch klein. Dann aber fing Aliana an immer vieles zu vergessen und konnte nicht mehr so gut sprechen wie sie es mal konnte. Und dann kamen motorische Probleme dazu – Aliana ist immer öfter weggecknickt und immer wieder hingefallen. Leider (muss man wohl sagen), war die ursprüngliche Diagnose Epilepsie falsch und Anfang diesen Monats wurde bei Aliana SSPE diagnostiziert. Ihre Großmutter beschreibt das Unbeschreibliche:

Ich bin die Oma von einem Mädchen das das Leben liebte, Spiele spielte, feundlich zu allen war, und so herzlich war. Wenn ich mit ihr Lieder gesungen habe, hat sie den Text sofort auswendig gelernt. Ich könnte dir noch mehr von diesem kleinen Mädchen erzählen, aber es zerreißt mir mein Herz zu sehen wie so langsam alles verloren geht

Das muss enden! Jeder SSPE Fall, jedes Schicksal wie das von Aliana und ihrer Familie kann verhindert werden. Kontrolliert Eure Impfpässe und die Eurer Kinder. Jede/r der/die keine Masern gehabt hat, sollte 2 MMRs bekommen/bekommen haben, um erstens sich selber und zweitens Babies vor den Masern zu schützen.

Masern können tödlich sein – Impfen schützt. Weitersagen.

24 November 2016: Leider gibt es ein trauriges Update.

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Für Impfen: SSPE nach Impfungen, Teil 2

Im ersten Teil dieser kleinen Serie haben wir verschiedene Theorien zu Impfungen und SSPE vorgestellt. [1] Es hat sich herausgestellt, daß Impfungen keinen Einfluss auf die Entstehung oder den Verlauf von SSPE haben. Die einzige Ursache für SSPE ist eine Infektion mit Masern. Impfungen schützen, indem sie diese Infektion bei den Geimpften selbst verhindern, und auch bei Personen, die nicht geimpft werden können – wenn die Durchimpfungsrate hoch genug ist.

In diesem zweiten Teil folgt nun ein Überblick über die wichtigsten Studien zu diesem Thema. Hauptquelle war wieder, wie schon im ersten Teil, diese Arbeit:

Review of the effect of measles vaccination on the epidemiology of SSPE: http://ije.oxfordjournals.org/content/36/6/1334.long

In den Niederlanden wurden ab 1976, nach Einführung der Masernimpfung, die Fälle von SSPE erfasst und ausgewertet, insbesondere auch darauf, ob die Erkrankten gegen Masern geimpft waren. [2]
In den ersten vier Jahren nach der Verbreitung der Masernimpfung kam es durchschnittlich zu 13 neuen SSPE-Fällen pro Jahr. Ab dem 5. Jahr sank diese Zahl, in den letzten vier Jahren des untersuchten 15-Jahre-Zeitraumes wurde durchschnittlich nur noch ein neuer SSPE-Fall pro Jahr diagnostiziert. Es liegt die Vermutung nahe, daß der deutliche Rückgang mit der Einführung der Masernimpfung zusammenhängt. Daß die Zahl der neuen Fälle erst ein paar Jahre nach der Einführung der Impfung zurückgeht, lässt sich dadurch erklären, daß SSPE erst Jahre nach einer Masernerkrankung auftritt.
Von den 81 untersuchten Kindern aus den Niederlanden, die an SSPE erkrankten, waren 3 Kinder gegen Masern geimpft. 96% der SSPE-erkrankten Kinder waren also nicht gegen Masern geimpft.

Zwischen 1970 und 1979 wurden in Großbritannien 143 Fälle von SSPE erfasst. Drei dieser an SSPE erkrankten Kinder waren gegen Masern geimpft. 97,9% der an SSPE erkrankten Kinder waren nicht gegen Masern geimpft. [3]

Eine Studie befasst sich mit dem Einfluss der Masernimpfung auf die SSPE-Fälle in England und Wales zwischen 1990 und 2002. [4] Die Rate an neu diagnostizierten SSPE-Fällen sank stetig nach Einführung der attenuierten Masernimpfung 1968 und der kombinierten MMR-Impfung 1988. In den frühen 70er Jahren, als ein Meldesystem für SSPE-Fälle geschaffen wurde, traten durchschnittlich 20 neue Fälle pro Jahr auf. Insgesamt wurden von 1970 bis 1989 290 Fälle erfasst . In den frühen 90ern waren es noch ca. 6 neue Fälle pro Jahr, zum Ende des untersuchten Zeitraums gab es nur noch ca. einen einzigen neuen SSPE-Patienten pro Jahr. In dem Zeitraum von 1990 bis 2002 gab es 47 Fälle.

Von den 290 Fällen des Zeitraums 1970-1989 waren 19 gegen Masern geimpft. Bei 9 von den 19 war keine vorherige Masernerkrankung bekannt. Man hat nun das Risiko berechnet, nach einer Masernerkrankung SSPE zu entwickeln, dieses liegt laut diesen Zahlen bei 4:100.000 . Nun wurde dieses Risiko mit dem theoretischen Risiko verglichen, nach und durch eine Masernimpfung SSPE zu entwickeln. Wohlgemerkt, es gibt, wie im folgenden Text noch zu lesen, keinen Anlass dafür, zu glauben, daß es so sein könnte, es wurde nur der schlechteste Fall angenommen, daß nämlich alle SSPE-Fälle, die sich nicht auf eine Masernerkrankung zurückführen lassen, durch Impfungen verursacht wurden, ohne andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen wie Fehldiagnosen oder subklinische Verläufe. Selbst bei diesem für Impfbefürworter schlimmstmöglichen Gedankenspiel ergäbe sich ein Risiko von 0.14:100.000 . Selbst wenn also Impfungen SSPE verursachen könnten, wäre das Risiko für SSPE als Impfkomplikation immer noch deutlich geringer als das Risiko der Masernerkrankung. Selbst in diesem Fall würden Impfungen also vor einer größeren Anzahl von SSPE-Diagnosen schützen.

Auch die 47 Fälle von 1990 bis 2002 wurden genauer betrachtet. 23, also 49% der Betroffenen, waren gegen Masern geimpft. 17 von ihnen hatten allerdings nur eine Dosis erhalten, es gab nur 6 erkrankte Personen, die mindestens zwei Masernimpfungen erhalten haben.
Bei fünf Patienten wurde eine Gewebeprobe des Gehirns untersucht, bei allen fünf wurde das Wildmasernvirus nachgewiesen, kein Impfvirus. Bei zwei dieser fünf Personen gab es keinen Hinweis auf eine durchgemachte Masernerkrankung, beide waren jedoch gegen Masern geimpft. Auch bei ihnen wurde der Wildtyp gefunden. Hier zeigt sich wieder, daß es keinen Anlass dafür gibt, jeden SSPE-Fall ohne eine Masernerkrankung in der Vergangenheit der Impfung zuzuschreiben.

1980 erschien in den USA eine Studie zu den Risikofaktoren von SSPE. [5]
Obwohl zu der Zeit schon Daten darauf hindeuteten, daß der Rückgang von Masernerkrankungen durch die Impfung dazu beigetragen hat, auch die Zahl von SSPE-Erkrankungen zu reduzieren, gab es immer noch Sorgen, ob die Impfung selbst nicht doch ein Risikofaktor sein könnte – besonders, wenn diese nach einer durchgemachten Masernerkrankung verabreicht wurde.
Die Autoren der Studie verglichen 52 SSPE-betroffene Kinder mit 96 jeweils gleichaltrigen, gleichgeschlechtlichen gesunden Kindern. Ein größerer Anteil der an SSPE erkrankten Kinder hatte zuvor eine diagnostizierte Masernerkrankung durchlitten (82,7%). Von der gesunden Kontrollgruppe waren es nur 46,9%, bei denen diese Diagnose festgestellt wurde. Es waren deutlich mehr Kinder der SSPE-Gruppe gar nicht gegen Masern geimpft als der Kontrollgruppe. 67,3% der an SSPE leidenden Kinder waren ungeimpft. Nur 34,4% der gesunden Kinder waren ungeimpft.
Auch damals wurde von den Forschern schon die Frage beachtet, wie es sich verhält, wenn nach einer Masernerkrankung noch einmal die Masernimpfung verabreicht wird (von Impfgegnern gerne “draufgeimpft” genannt): Nur 26% der SSPE-erkrankten Kinder bekamen die Masernimpfung nach einer Masernerkrankung. 44% der gesunden Kinder haben die Impfung nach der Erkrankung erhalten.

Weiter gab es in den USA eine Untersuchung von Hirngewebeproben von bestätigten und auch (bis dahin) vermuteten SSPE-Fällen. [6]. Es wurden die Proben von 11 Patienten untersucht, die meisten dieser Personen waren gegen Masern geimpft und hatten keine gesicherte Diagnose einer Masernerkrankung in ihrer Kindheit. 2 Personen waren ungeimpft, beide erkrankten im ersten Lebensjahr an Masern. Die anderen 9 Personen waren geimpft, bei einer von ihnen gab es eine gesicherte Maserndiagnose mit drei Jahren. Bei den anderen war es unklar, ob sie an Masern erkrankt waren. Bei keinem Patienten, völlig unabhängig von ihrer Kranken- und Impfgeschichte, wurde das Impfvirus in der Gewebeprobe gefunden.

In Israel sank die Rate der SSPE-Fälle nach Einführung der Masernimpfung 1967 von 5,7 Fällen pro 1.000.000 Einwohner auf 1,9 Fälle pro 1.000.000 Einwohner im Jahr 1979.
Auch hier wurde das SSPE-Risiko für ungeimpfte Personen verglichen mit dem Risiko für geimpfte Personen, die keine diagnostizierte Masernerkrankung in ihrer Vergangenheit hatten. Die Rate der SSPE-Fälle von Ungeimpften betrug 24,6 Fälle auf 100.000 Geburten hochgerechnet. Bei den Geimpften ohne vorherige Maserndiagnose lag die Rate bei 1,7 pro 100.000 Geburten. Impfungen reduzieren das Risiko für SSPE also beträchtlich, und das sogar, wenn man unrealistischerweise annähme, daß sämtliche dieser unklaren Fälle auf die Impfung zurückzuführen sind.

In Polen wurden ab 1976, ein Jahr nach der Einführung der Masernimpfpflicht Zahen zu SSPE-Fällen gesammelt. 1984 betrug die Rate an neuen SSPE-Fällen bei unter 20-jährigen 3,8 zu 1.000.000. 1995 lag diese bei 0,8 zu 1.000.000. Zahlen zum Impfstatus und der vorherigen Krankengeschichte der SSPE-Patienten waren nicht verfügbar.

In Bulgarien wurden in einer Studie 40 SSPE-Fälle zwischen 1978 und 2002 erfasst. Zwischen 1978 und 1984 gab es durchschnittlich 4 neue Fälle pro Jahr. Zwischen 1985 und 1994 dann wurde kein einziger neuer Fall diagnostiziert. Ab 1995 stieg die Rate an Neudiagnosen wieder auf durchschnittlich 1,7 Fälle pro Jahr. Von 1981 bis 1990 gab es keinen größeren Masernausbruch in Bulgarien, daß die Rate der SSPE-Diagnosen erst einige Jahre später auf 0 sank, lässt sich leicht dadurch erklären, daß SSPE erst einige Jahre nach einer durchgemachten Erkrankung auftritt. Die Zahlen zu Fällen von SSPE hinken also zeitlich immer den Zahlen von Masernerkrankungen hinterher. 1991/92 gab es in Bulgarien eine massive Masernepidemie. Es gab eine große wirtschaftliche Krise, im Gesundheitssystem wurden Einsparungen vorgenommen und besonders der ärmere Teil der Bevölkerung hatte weniger Zugang zu Gesundheitsfürsorge und -vorsorge, wozu auch Impfungen zählen. Insgesamt erkrankten während dieser Epidemie über 22.000 Personen an Masern. Es ist wenig verwunderlich, daß einige Jahre später also leider wieder Fälle von SSPE auftraten. [7] [8]

In Papua-Neuguinea wurden zwischen 1997 und 2000 83 SSPE-Fälle identifiziert. 57 davon traten in der Eastern Highland Province auf. Die Masernimpfung ist in Papua-Neuguinea seit 1982 verfügbar, jedoch bestehen aufgrund der örtlichen Gegebenheiten große Schwierigkeiten, eine gute Durchimpfungsrate zu erreichen. In der Eastern Highland Province waren 1989-91 55%-60% der unter Einjährigen geimpft. 1993 waren es 19% und 1994 8%. Es gibt immer wieder Masernausbrüche. Die Rate an SSPE-Diagnosen bei unter 20jährigen in Bezug auf die Bevölkerung ist hoch, 1990 betrug sie 56:1.000.000, 1997/98 sogar 98:1.000.000.
22 Fälle von SSPE, die zwischen November 2007 und Juli 2009 auftraten, wurden in einer Studie genauer untersucht. [9] 64% dieser Fälle waren mindestens einmal gegen Masern geimpft (fast alle von ihnen sogar zweimal, nur eines dieser Kind hatte eine einmalige Masernimpfung erhalten). Liebe Impfgegner, bevor ihr jetzt jubelt, falls ihr den Text bis hierhin gelesen habt: Diese Untersuchung bezieht sich auf Papua-Neuguinea. Die Autoren dieser Arbeit betonen selbst, daß es aufgrund der örtlichen Gegebenheiten Schwierigkeiten gibt, Impfstoffe ohne Temperaturschwankungen zu transportieren. Wenn die Kühlkette nicht eingehalten wird, kann die Impfung Schaden nehmen und möglicherweise nicht mehr wie gewünscht wirken.
Zudem sieht der Impfplan dort (noch) vor, daß die beiden Masernimpfungen im Alter von 6 und 9 Monaten verabreicht werden. Zu solch frühen Zeitpunkten verabreichte Masernimpfungen sind aufgrund des möglichweise noch bestehenden mütterlichen Nestschutz deutlich weniger wirksam als Impfungen, die um den ersten Geburtstag herum verabreicht werden. Mögliche Mängel der Impfungen durch die Kühlkettenproblematik verursachen weitere Schwierigkeiten.

In Japan wurden die SSPE-Fälle von 1966 bis 1985 erfasst und ausgewertet. [10]. Bei 184 von insgesamt 215 an SSPE erkrankten Personen wurde in der Anamnese eine frühere Masernerkrankung ohne eine zusätzliche Masernimpfung festgestellt. 90,2% also waren nicht geimpft. Das Risiko an SSPE zu erkranken für die Geburtsjahrgänge von 1968 bis 1977 war 16,1 zu 1.000.000 Masernfällen. Zwischen 1971 und 1979 gab es 8 Fälle von SSPE bei Geimpften. Im gleichen Zeitraum wurden 7.600.000 Impfdosen verabreicht. Wenn man nun für alle 8 SSPE-Fälle spekuliert, daß diese durch Impfungen aufgetreten sein könnten, ergibt sich ein Risiko von 1,05 pro 1.000.000 verabreichten Impfdosen. Wieder zeigt sich, daß, selbst wenn man ohne Anhaltspunkte, die auf die Impfung als Ursache hindeuten, den schlimmsten Fall annimmt, die Impfung immer noch die beste Möglichkeit ist, SSPE zu verhindern.

Fazit:
Jeder, der von sich behauptet, ideologiefrei an das Impfthema heranzugehen, sollte diese Daten dringend zur Kenntnis nehmen. Dies sind Daten aus den verschiedensten Teilen der Welt, über Jahrzehnte zusammengetragen und untersucht. Dem gegenüber stehen die von Impfgegnern gerne durchgeführten “Analysen” von einzelnen aktuellen SSPE-Fällen, die ihnen alleine dadurch bekannt sind, daß die jeweils betroffenen Familien freiwillig an die Öffentlichkeit gegangen sind.
Wer wirklich “beide Seiten” betrachten möchte, sollte auch systematische, wissenschaftliche Untersuchungen zur Kenntnis nehmen, nicht nur die Interpretation von einzelnen Fällen durch Laien. Ob diese “beiden Seiten” wirklich gleichwertig sind, darf jeder selbst für sich beurteilen.

[1] https://www.facebook.com/504832609550389/photos/a.504841166216200.117587.504832609550389/805550952811885/?type=1
[2] Subacute Sclerosing Panencephalitis in The Netherlands—1976–1990: http://ije.oxfordjournals.org/content/21/3/583.full.pdf
[3] Surveillance of subacute sclerosing panencephalitis: http://europepmc.org/backend/ptpmcrender.fcgi?accid=PMC1713507&blobtype=pdf
[4] The epidemiology of subacute sclerosing panencephalitis in England and Wales 1990-2002: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1719740/pdf/v089p01145.pdf
[5] Risk factors in subacute sclerosing panencephalitis: A case-control study: http://aje.oxfordjournals.org/content/111/4/415.full.pdf
[6] Subacute Sclerosing Panencephalitis: More Cases of This Fatal Disease Are Prevented by Measles Immunization than Was Previously Recognized: http://jid.oxfordjournals.org/content/192/10/1686.full
[7] Clinical and epidemiological characteristics of subacute sclerosing panencephalitis in Bulgaria during the past 25 years (1978–2002): http://www.ejpn-journal.com/article/S1090-3798%2803%2900189-2/abstract
[8] Zahlen zur Masernepidemie 91/92 aus Measles outbreak in Bulgaria, 2009-2010: www.oek.hu/oekfile.pl?fid=3545
[9] Subacute Sclerosing Panencephalitis in Papua New Guinean Children: The Cost of Continuing Inadequate Measles Vaccine Coverage: http://www.plosntds.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pntd.0000932#pntd.0000932-Mgone1
[10] Incidence of subacute sclerosing panencephalitis following measles and measles vaccination in Japan: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2807674

Bildquellen:
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bonthius1b.gif
https://www.flickr.com/photos/molinarius/3240279553/

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Für Impfen: SSPE nach Impfungen, Teil 1

Das Team von Für Impfen hat mal wieder einen hervorragenden Blogpost erstellt – diesmal zum Thema SSPE nach Impfungen – hier ist dies expert/inn/enhaft geklärt:

Wir hatten vor einiger Zeit schon einen Artikel mit allgemeinen Informationen zur SSPE.  Leider kursiert unter Impfgegnern immer noch die Meinung, daß SSPE irgendwie durch Impfungen ausgelöst oder beeinflusst werden kann.
Die Idee, daß SSPE mit Impfungen zusammenhängen könnte, ist keine neuartige Eingebung von Facebook-Impfgegnern. Schon in den 70er Jahren gab es diesbezügliche Bedenken, so daß im Zuge der zunehmenden Verbreitung der Masernimpfung in vielen Ländern auch Daten zu SSPE-Fällen erfasst und gesammelt wurden. Eine Auswertung dieser Daten ergibt, daß SSPE nicht durch Impfungen entsteht. SSPE wird auch nicht durch Impfungen, die nach einer Masernerkrankung erfolgten, “aktiviert” oder getriggert. Die einzige Verknüpfung zwischen SSPE und Impfungen lautet: Je höher die Impfrate gegen Masern ist, desto weniger SSPE-Fälle gibt es. Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit den Daten zu SSPE und verabreichten Impfungen und geht außerdem verschiedenen Theorien nach, die Impfungen als Verursacher oder Verschlimmerer von SSPE betrachten:

Review of the effect of measles vaccination on the epidemiology of SSPE:
Der Text und die dazugehörigen Diagramme sind übrigens frei für jeden einsehbar.

Das Thema “SSPE nach Impfungen” wurde über Jahrzehnte hinweg ausführlich untersucht. Die Datenlage zu diesem Thema ist sogar so ausführlich, daß selbst eine Zusammenfassung davon den Rahmen eines Artikels auf dieser Seite sprengen würde. Wir haben uns deshalb dafür entschieden, dieses Thema in zwei Artikeln vorzustellen. In diesem ersten Teil geht es um die Theorien zu Impfungen und SSPE. Wer sich nicht selbst durch Studien und genaue Zahlen wühlen möchte, braucht nur diesen Artikel zu lesen und hat danach einen guten Überblick zum heutigen Stand der Forschung.

Wer ganz genau wissen will, welche Studien es zu diesem Thema gibt, wartet auf den zweiten Teil, in dem wir einige dieser Studien beschreiben. Und wer es bis dahin nicht abwarten kann und der englischen Sprache mächtig ist, liest einfach den oben verlinkten Originalartikel.

Theorie 1: SSPE kann durch die Masernimpfung ausgelöst werden

In vielen Ländern wurde nach der Einführung der Masernimpfung ein Rückgang der SSPE-Zahlen beobachtet (siehe Originalartikel oder der demnächst hier erscheinende zweite Teil). Dies zeigt natürlich, daß die Impfung schützt.

Allerdings gibt es immer wieder SSPE-Fälle mit unklarer Krankengeschichte. Unklar heißt, daß es bei diesen Betroffenen keine Diagnose einer Masernerkrankung in ihrer Kindheit gab. Auch wurde nicht bei jedem Betroffenen eine Gewebeprobe des Gehirns untersucht, so daß man in diesen Fällen also nicht sagen konnte, ob und wann der Betroffene Kontakt zu Masernviren hatte. Wissenschaftler hielten es in diesen Fällen theoretisch für möglich, daß das abgeschwächte Masernvirus der Impfung auch SSPE verursachen könnte. Um zu untersuchen, wie hoch das Risiko dafür im schlimmsten Fall wäre, hat man in einigen Studien sämtliche dieser Fälle mit unklarer Krankengeschichte den Impfungen zugeschrieben und daraus das theoretische Risiko berechnet. Dabei ist es natürlich unrealistisch, sämtliche dieser Fälle den Impfungen zuzuschreiben, da es immer wieder subklinische (also nicht erkannte) Verläufe von Masern gibt, besonders, wenn der Erkrankte noch sehr jung ist, der Nestschutz bei diesem also noch teilweise vorhanden ist. Aber solche Berechnungen eignen sich, um herauszufinden, wie sich im unwahrscheinlichen Worst-Case-Fall das Risiko von Impfungen zum Risiko durch die Masernerkrankung selbst verhält.

Diese Berechnungen also, bei denen der schlimmste Fall angenommen wird, zeigen eine deutliche Verringerung des Risikos. Selbst, wenn man jeden Fall mit unklarer Krankengeschichte der Impfung zuschieben würde, wäre das Risiko, danach an SSPE zu erkranken, immer noch deutlich geringer, als nach einer Masernerkrankung.
Dieses Ergebnis alleine räumt also noch nicht ein mögliches SSPE-Risiko durch die Impfung selbst aus, es könnte einfach so sein, daß durch die Impfung nur ein wesentlich geringeres Risiko bestünde als durch die Krankheit.
Virologische Untersuchungen ergaben jedoch keinen Hinweis, der diese Theorie stützen würde. In keiner jemals untersuchten Gewebeprobe des Gehirns eines SSPE-Erkrankten was das Impfvirus zu finden. Auch in Proben von Patienten, die keine Maserndiagnose hatten und gegen Masern geimpft waren, wurde ausschließlich das Wildvirus gefunden. Die Masernimpfung kann keine SSPE verursachen.

Theorie 2: Die Masernimpfung führt zu einem schnelleren Fortschreiten der SSPE-Erkrankung bei Betroffenen

Diese Theorie ist aufgrund eines Falls von SSPE entstanden, bei dem die Masernerkrankung sehr früh auftrat. Der Patient entwickelte SSPE und wurde ein Jahr nach dem Auftreten von SSPE-Symptomen noch gegen Masern geimpft. Der Zustand des Patienten verschlechterte sich danach sehr schnell, schneller, als es sonst bei SSPE zu erwarten ist.
Insgesamt gibt es nur sehr wenige Fälle, bei denen SSPE-Erkrankte nach Ausbruch der SSPE noch geimpft wurden. Da es jahrelang dauert, bis SSPE nach einer Masernerkrankung auftritt, wurden die meisten Patienten, wenn sie denn geimpft wurden, noch vor Ausbruch von SSPE geimpft. Es wurden neun Fälle, bei denen nach Ausbruch der SSPE noch geimpft wurde, mit 149 anderen SSPE-Fällen verglichen. Vier dieser Neun starben nach durchschnittlich 3,6 Jahren, die anderen fünf, die zu diesem Zeitpunkt noch am Leben waren, hatten bis dahin durchschnittlich 10,5 Jahre nach dem Auftreten der ersten Symptome überlebt. Die 149 Vergleichsfälle verstarben durchschnittlich 9 bis 30 Monate nach dem Auftreten der Symptome (abhängig von ihrem Alter dabei). Es gibt keinen Hinweis, daß eine späte Masernimpfung bei SSPE-Betroffenen zu einem schnelleren Verlauf beiträgt.

Theorie 3: Die Masernimpfung triggert SSPE, führt also dazu, daß jemand, der ohne Impfung länger symptomfrei leben würde, in einem jüngeren Alter von dem Ausbruch von SSPE betroffen ist

Wenn diese Theorie zutreffen würde, müßten geimpfte Personen jünger sein als ungeimpfte beim Auftreten der ersten Symptome.
Von 292 SSPE-Patienten mit gesicherter Maserndiagnose in den USA zwischen 1960 und 1974 wurden 44 nach der Masernerkrankung geimpft. Bei beiden Gruppen verging annähernd die gleiche Zeitspanne von der Masernerkranung bis zum ersten Auftreten von SSPE-Symptomen.
Auch in der Türkei ergab eine Auswertung, daß der Impfstatus Einfluss darauf hatte, in welchem Lebensjahr erstmals SSPE-Symptome auftreten. Ebenso hatte er keinen Einfluss auf die Zeitspanne von der Masernerkrankung bis zum Beginn der SSPE.
Das durchschnittliche Zeitintervall zwischen einer Masernerkrankung und der späteren SSPE-Diagnose war annähernd identisch in den USA, Großbritannien und Israel.

1994 gab es in England und Wales eine Kampagne zur Massenimmunisierung, es wurden 7.000.000 Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 16 Jahren gegen Masern und Röteln nachgeimpft. Wenn die Impfung einen Einfluss auf das Alter bei der SSPE-Diagnose hätte, wären in den Jahren danach ungewöhnlich viele SSPE-Fälle zu erwarten gewesen, nämlich neben den “normalen” Fällen auch die “zu frühen” Fälle durch die Impfung. Dies war nicht der Fall.
342 SSPE-Fälle aus England und Wales zwischen 1962 und 2001 wurden auf den Impfstatus und den Zeitpunkt der SSPE-Diagnose untersucht. Bei 26 dieser Fälle war der Impfstatus unbekannt. 42 waren geimpft, 274 ungeimpft. Es gab keinen signifikanten Altersunterschied bei dem Auftreten von SSPE-Symptomen.

Theorie 4: SSPE wird durch die Wildmasern verursacht aber durch die Impfung erst “aktiviert”, ohne die Impfung wäre es möglich, daß SSPE bei dieser Person nicht aufgetreten wäre.

In einigen Ländern gab es nach Einführung der Masernimpfung erst einen kurzfristigen Anstieg von SSPE-Diagnosen, bis diese dann, im Zuge der Maserneindämmung durch die Impfung, abnahmen. Dies würde diese Theorie stützen, der Anstieg würde zu dem wahrgenommenen Risiko der Impfung passen und die darauffolgende Abnahme zu dem trotzdem vorhandenen Schutz vor Masern durch die Impfung.
In mehreren Ländern wurden jedoch im Zuge der flächendeckenden Masernimpfung auch Meldesysteme für SSPE eingerichtet. Die Einrichtung eines solchen Systems kann in der Anfangszeit zu mehr (wahrgenommenen) Diagnosen führen, aufgrund der nachträglichen Aufnahme von weiter zurückliegenden Fällen, um möglichst vollständige Daten zu haben.
Wenn diese Theorie stimmen würde, wäre außerdem zu erwarten, daß SSPE häufiger bei geimpften Personen auftritt.
Nach der Immunisierungskampagne in England und Wales 1994 traten 19 SSPE-Fälle auf, von denen 8 geimpft waren. Dies entspricht einer Rate von 42%. Die durch die Kampagne erreichte Impfrate war dagegen 92%, wenn die Impfungen einen Einfluss gehabt hätten, hätten diese beiden Zahlen viel ähnlicher sein müssen.
Zudem wurde in einer Studie aus den USA 1980 schon untersucht, wie es sich mit der Impfung nach einer überstandenen Masernerkrankung verhält, also das, was Impfgegnern betroffenen Eltern gerne als “da wurde trotz der Krankheit nichmal draufgeimpft!” vorwerfen. Nur 26% der SSPE-erkrankten Kinder bekamen die Masernimpfung nach einer Masernerkrankung. 44% der gesunden Kinder haben die Impfung nach der Erkrankung erhalten.”

Fazit: Die Masernimpfung schützt sehr effektiv vor SSPE, da durch sie Maserninfektionen, die einzige Ursache für SSPE, verhindert werden. Der Herdenschutz durch eine hohe Impfrate trägt außerdem dazu bei, auch die Menschen vor Masern und damit einer möglichen SSPE zu schützen, die noch oder gar nicht gegen Masern geimpft werden können. Impfungen haben keinen Einfluss auf den Ausbruch oder Verlauf von SSPE.

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Für Impfen: 16 Wochen Windpockenkampf – Elise

Immer wieder meinen Eltern, “Kinderkrankheiten soll man so bald wie möglich hinter sich bringen” – auf Für Impfen, der fantastischen Facebookseite zum Thema, hat jetzt die Mama von Elise geteilt, was ihre Tochter aushalten musste:

Es war Anfang der 1990er Jahre, es gab zwar eine Windpockenimpfung, aber die war nur für Risikopatienten vorgesehen und man war allgemein der Meinung, dass dieser Infekt zwar lästig, aber grundsätzlich harmlos sei.

Meine Tochter war 18 Monate alt, als sie innerhalb von 2 Wochen erst eine Bronchitis und anschließend die Windpocken bekam. An den Windpocken war ich nicht ganz unschuldig und mache mir heute deswegen noch Vorwürfe (am Ende dieses Beitrags wisst ihr auch warum). Anfang März bekam die Tochter unserer Tagesmutter Windpocken.

Ich brachte meine Tochter trotzdem zu ihr, damit sie die Windpocken bekäme und hinter sich hätte. Ich selber hatte die Windpocken erst mit 16 Jahren und ziemlich heftig, mein 3 jähriger Bruder dagegen hatte nur 5 Bläschen und ich befand, je früher man diesen Infekt hinter sich brächte, umso besser sei das.

Eine Woche später bekam meine Tochter unerwartet eine Bronchitis und noch eine Woche später wie geplant die Windpocken. Wider Erwarten hatte sie die Windpocken extrem heftig: überall Bläschen, sie quälte sich schrecklich. In der zweiten Woche Windpocken wurde ihr Allgemeinzustand richtig schlecht, sie bekam hohes Fieber und war apathisch. Unser Hausarzt konnte aber außer den Windpocken nichts anderes finden und nach 3 Tagen ging es ihr wieder zunehmend besser.

Es war an einem Dienstag, meine Tochter war soweit wieder fit, sie war noch ein wenig wackelig auf den Beinen, konnte aber wieder zur Tagesmutter. Abends erzählte die Tagesmutter, dass meine Tochter mit dem linken Fuß nicht richtig auftreten würde – obwohl sie schon richtig laufen konnte. Sie hatte keine Schmerzen, der Hausarzt vermutete, dass sie sich vielleicht irgendwie vertreten habe und empfahl uns, sie einem Orthopäden vorzustellen.

Am nächsten Tag, es war ein Mittwoch Nachmittag, an dem alle Artzpraxen geschlossen sind, wurde der linke Knöchel meiner Tochter plötzlich heiß und dick, diese Schwellung bildete sich nach etwa einer Stunde wieder zurück. Mein Mann und ich waren sehr besorgt, deshalb sind wir in die Notaufnahme des Krankenhauses gefahren. In der Klinik wurde sie geröntgt, lachte fröhlich mit den Ärzten, hatte offensichtlich keine Schmerzen, die Knochen waren nicht gebrochen – nur aufgetreten ist sie nicht. Der diensthabende Arzt belächelte unsere Sorgen: “Junge Eltern, jajaja, die haben immer so unbegründete Sorgen…” und beschloss, dass meine Tochter einen Tick habe und sich das wieder geben würde.

Ich war mit dieser Antwort nicht zufrieden – irgendetwas in mir drinnen sagte mir, dass da irgendwas absolut nicht in Ordnung ist.

Der nächste Tag war ein Donnerstag, ich war arbeiten. In einer Pause habe ich mich beim Orthopäden vor Ort um einen Termin bemüht. Die Sprechstundenhilfe teilte mir freundlich mit, dass wir in schon 3 Wochen mit einem Termin rechnen könnten. Ich bräuchte mit meiner Tochter auch am Nachmittag gar nicht einfach so aufzutauchen, wir müssten mit extrem langer Wartezeit rechnen. Ich solle es mal mit dem Orthopäden bei uns im Ort versuchen. Ich habe also bei diesem Arzt angerufen – der hatte Urlaub. Die Vertretung des Orthopäden in meinem Ort war wiederum ein Arzt in dem Ort, wo ich tätig war. Ich bin also dort hingelaufen – dieser Arzt war auch im Urlaub, seine Vertretung war der Orthopäde, bei dem ich morgens schon war (der mit dem Termin in drei Wochen …)

Langsam war ich mit meinen Nerven doch ziemlich am Ende, ich stand in einer Telefonzelle* und habe bei den anderen Orthopäden im Ort angerufen – alle waren in Urlaub oder es ging keiner ans Telefon. Völlig verzweifelt habe ich im Ärzteverzeichnis geblättert und bin auf den Namen eines Kinderarztes gestoßen, der seine Praxis gerade um die Ecke von meiner Telefonzelle hatte. Kurzentschlossen bin ich also in diese Praxis eingefallen und habe was von meiner Tochter gestammelt (ich bin schon fast in Tränen ausgebrochen, so verzweifelt war ich) und dass sie unbedingt noch heute von einem Arzt angeschaut werden müsse. Die Sprechstundenhilfe sagte mir, dass sie eigentlich Aufnahmestopp hätten, aber ich solle halt meine Tochter holen und am Nachmittag mit ihr in die Praxis kommen.

Gesagt – getan. Zusammen mit meiner Tochter stand ich am Nachmittag wieder in dieser Praxis und bin endlich an einen Arzt geraten, der mir richtig zugehört hat, der meine Tochter ganz genau untersucht hat, der tausend Fragen stellte und es auch ganz und gar nicht in Ordnung fand, dass sie mit dem einen Fuß nicht auftrat, obwohl sie anscheinend keine Schmerzen hatte. Letztendlich erklärte er uns, dass er ohne genauere Untersuchungen keine klare Diagnose stellen könne und überwies uns in die Kinderklinik am gleichen Krankenhaus, in dem wir am Mittwoch schon in der Notaufnahme waren (nur leider wusste ich da noch nicht, dass es dort überhaupt eine Kinderklinik gab). Wir bekamen also das rosa Einweisungsformular, das komplett vollgeschrieben war, keine einzige leere Zeile mehr drauf.

Die Krankenschwester an der Aufnahme nahm das Formular, grinste und sagte : “Jajajaja, typisch Behrmann[1], der schreibt immer solche Romane …”

Der diensthabende Kinderarzt in der Klinik untersuchte meine Tochter und dann ging alles sehr schnell: innerhalb von 30 Minuten war das Bein meiner Tochter komplett eingegipst und sie hing an einem Antibiotise-Tropf – vorläufige Diagnose Knochenmarkentzündung am linken Knöchel. Die anderen Möglichkeiten waren Kleinhirnlähmung oder Krebs.

Um diese Diagnose zu bestätigen wurde am nächsten Tag ein Szintigramm gemacht. Das ergab eine fulminante Knochenmarkentzündung in der Wachstumsfuge des linken Sprunggelenks. Der Kinderorthopäde sagte uns, wenn wir noch 2 Tage später gekommen wären, hätte man den Knöchel wahrscheinlich amputieren müssen. Außerdem sei eine solche Superinfektion akut lebensbedrohlich.

An diesem Nachmittag wurde der Gips noch einmal neu angelegt und der Arzt, der das überwachte, war der Arzt, der Mittwochs in der Notaufnahme Dienst hatte. Er schaute mich fragend an und ich habe ihm bestätigt, dass wir uns kennen würden und dass wir jungen, ängstlichen Eltern uns wohl doch nichts eingebildet hätten. Der Kinderorthopäde, der auch anwesend war, ließ sich das Röntgenbild von Mittwoch bringen und hat dem Arzt aus der Notaufnahme gezeigt, wo auf diesem Röntgenbild die Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis) zu sehen war, nur sehr schwer zu erkennen, aber nicht unmöglich. Warum uns der Arzt in der Notaufnahme nicht in die Kinderklinik nebenan geschickt hat, ist mir heute noch ein Rätsel.

Meine Tochter bekam 4 Wochen lang intravenös ein knochengängiges Antibiotikum, danach noch 2 Wochen lang oral und dann durften wir endlich nach Hause gehen. Zuhause musste sie den Gips noch weitere 2 Wochen tragen, anschließend bekam sie eine spezielle Schiene angepasst, die verhinderte, dass sie den Knöchel belastet. Diese Schiene hat sie weitere 6 Wochen getragen. Insgesamt haben die Windpocken und ihre Nachwirkungen bei meiner Tochter rund 16 Wochen gedauert.

Der Kinderorthopäde sagte, dass in etwa 90 Prozent solcher Fälle mit Folgeschäden zu rechnen sei, zum Beispiel, dass die Wachstumsfuge sich zu früh schließe und das Bein dann kürzer wäre als das andere. Wir hatte unbeschreibliches Glück: dieser Horror ist jetzt über 20 Jahre her und es ist nichts zurückgeblieben. Meine Tochter hatte auch keinen Rückfall, der bei jedem Infekt hätte auftreten können.

Dem wunderbaren Kinderarzt blieben wir treu. Er mag ein streitbarer Zeitgenosse gewesen sein, aber er war in erster Linie ein großartiger Kinderarzt und genialer Diagnostiker. Vielen lieben Dank Ralf Behrmann.

Ein ungutes Gefühl ist geblieben: ich bin für diese schlimme Krankheit meiner Tochter verantwortlich, denn ich war es, die die Windpockeninfektion absichtlich provoziert hat, mit besten Absichten – aber jeder Infekt kann diese schlimme Komplikation nach sich ziehen. Die vermutete Kleinhirnlähmung, aber auch kindliche Schlaganfälle, sind sehr seltene Komplikationen der Windpocken – selten, aber die Möglichkeit besteht.[2] Hätte meine Tochter durch meine Schuld ihr Bein verloren, so hätte ich mir das niemals verzeihen können, soviel steht fest.

Und wenn ich dann von “Masern-Parties” höre, dann läuft es mit eiskalt den Rücken runter, denn die Masern sind noch weitaus gefährlicher als die Windpocken! Lasst eure Kinder impfen, denn selbst die angeblich harmlosen können fatale Folgen haben.

* Hinweis: Ja, Anfang der 90er waren Mobiltelefone nicht allgegenwärtig und es gab auch kein Internet unterwegs. Wer einen Arzt oder Dienstleister zu erreichen suchte, brauchte eine Telefonkarte oder Kleingeld und musste hoffen, dass das Telefonbuch in der Zelle vorhanden war.

[1] Ralf Behrmann, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Frankfurt am Main. Behrmann zeichnete sich durch öffentliches Eintreten für Impfungen aus. Er agitierte unerlässlich gegen die Protagonisten und Multiplikatoren der Impfkritik.
[2] Martina Prelog und Lothar B. Zimmerhackl. Windpocken – keine harmlose Erkrankung. Ärzte Krone 1/09. S. 8-9.
http://www.docs4you.at/Content.Node/PresseCorner/AerzteKrone/Artikel_Prelog_Zimmerhackl.pdf

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Schauspieler Tim Schulz stirbt an FSME

Die Bildzeitung meldet, dass der 32 Jährige Bremer Schauspieler Tim Schulz an der durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gestorben ist. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und Freund/inn/en.

Tim Schulz, Bildcredit “Privat”, aus Bild.de

Bild sagt “stirbt an Zeckenbiss”, aber gemeint ist “an durch das FSME-Virus ausgelöster Enzephalitis” und dieses Virus wird in Risikogebieten (zu denen Bremen nicht gehört) von Zecken übertragen.

zeckenGegen FSME schützt eine Impfung, die ab dem vollendeten ersten Lebensjahr gegeben werden kann. Die Grundimmunisierung besteht aus 3 Impfungen im Schema, mit 2-3 und ca 6 Monaten Abstand gegeben (also zb 12, 14 und 20 Monate). Die erste Auffrischung sollte nach 3 Jahren erfolgen, danach alle 5 Jahre – bei längeren Impfabständen muss die Serie nicht neu begonnen werden.

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KUKI 13 Juni 2014: Impfpasskontrolle vor Kindergartenbesuch?

Die Masern sind, trotz seit 50 Jahren verfügbarer, effektiver und sicherer Impfung immer noch nicht ausgerottet. Nun schlägt der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, eine Impfpflicht vor – laut Tagesschau sagt her:

“Ich sehe aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen die einzige Möglichkeit, diese gesteckten Ziele, die man ja auch gegenüber der WHO bestätigt hat, zu erreichen, wenn man eine Impfpflicht für den Besuch von Schulen und Kindergärten einführt.”

Mehr zu den Forderungen des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte gibt es hier, hier und hier.

 

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Für Impfen – Rotavirus Schluckimpfung schützt Impflinge und Ungeimpfte

Wieder ein toller Beitrag der Kolleg/inn/en bei Für Impfen der Evidenz-basierten Facebookseite zum Thema Impfen – mit freundlicher Erlaubnis hier geteilt:

Am 09. Juni 2014 wurde eine Studie der Centers for Disease Control and Prevention (CDC, das ist die amerikanische Gesundheitsbehörde. Es ist keine Pharmafirma, sondern eine unabhängige Institution) über die Auswirkungen der Schutzimpfung gegen Rotaviren veröffentlicht. Rotaviren verursachen Magen-Darm-Erkrankungen und waren in der Vergangenheit der häufigste Auslöser von krankenhauspflichtigen Behandlungen wegen schwerwiegender Durchfallerkrankung [1]. Seit August 2013 ist die Impfung in Deutschland allgemein empfohlener Bestandteil der Grundimmunisierung von Kindern.

herdenschutz

Infektionen durch Rotaviren haben vor der Einführung der Impfung in den USA zu 55.000 bis 70.000 Krankenhauseinweisungen und 20 bis 60 Todesfällen pro Jahr unter Kindern bis zu fünf Jahren geführt. In den USA wird seit 2006 die Schutzimpfung gegen Rota-Viren empfohlen.

In der nun publizierten Studie wurden Daten aus den Jahren 2001 bis 2011 zur Beurteilung herangezogen. Es wurde u.a. untersucht, wieviele Fälle von Krankenhauseinweisungen es vor und nach der Einführung der Impfung gab. Für die Jahre nach der Einführung der Impfung wurden außerdem Daten von geimpften und von ungeimpften Kindern verglichen. Es gibt also mehrere mögliche Ergebnisse, die sich aus der Untersuchung dieser Daten ergeben könnten:

1. Die Impfung schadet. Zu diesem Ergebnis könnte man kommen, wenn der Vergleich ergibt, daß nach der Einführung der Impfung ein größerer Anteil von geimpften Kindern mit dieser Krankheit in das Krankenhaus eingewiesen wird als von ungeimpften Kindern.

2. Die Impfung nützt nichts. Bei diesem möglichen Ergebnis sollten sich keine signifikanten Unterschiede bei den untersuchten Gruppen zeigen.

3. Die Impfung schützt nur die geimpften Individuen, es gibt keinen Herdeneffekt. Dieses Ergebnis ist wahrscheinlich, wenn sich bei dem Vergleich zeigt, daß die ungeimpften Kinder ungefähr genau so häufig im Krankenhaus behandelt werden müssen wie alle Kinder vor der Einführung der Impfung. Während sich gleichzeitig die Zahl der Krankenhauseinweisungen bei den geimpften Kindern verringert.

4. Die Impfung schützt durch den Herdenschutz die gesamte Gesellschaft, auch die ungeimpften Personen. Dieses Ergebnis ist wahrscheinlich, wenn sich die Zahl der Krankenhauseinweisungen bei beiden Gruppen reduziert, allerdings bei den Geimpften deutlich mehr als bei den Ungeimpften.

Die Daten dieser Studie sprechen für Ergebnis 4: Die Impfung schützt nicht nur die geimpften Personen selbst, sondern auch noch die ungeimpften Personen um sie herum.

Bei dem Vergleich zwischen den Krankenhauseinweisungen geimpfter und ungeimpfter Kinder zeigte sich, dass geimpfte Kinder seltener im Krankenhaus behandelt werden mußten:

  • Bei Kindern im Alter von 3 bis 11 Monaten war die Rate der im Krankenhaus behandelten, geimpften Kinder 87% kleiner als die der ungeimpften Kinder.
  • Bei Kindern im Alter von 12 bis 23 Monaten war die Rate der im Krankenhaus behandelten, geimpften Kinder 87% kleiner als die der ungeimpften Kinder.
  • Bei Kindern im Alter von 24 bis 35 Monaten war die Rate der im Krankenhaus behandelten, geimpften Kinder 86% kleiner als die der ungeimpften Kinder.
  • Bei Kindern im Alter von 48 bis 59 Monaten war die Rate der im Krankenhaus behandelten, geimpften Kinder 81% kleiner als die der ungeimpften Kinder.

Geimpfte Kinder im Alter von 36 bis 47 Monaten konnten nicht mit ihren ungeimpften Altersgenossen verglichen werden, da es unter den geimpften Kindern dieser Altersklasse zu wenige im Krankenhaus behandelte Rotainfektionen gab.

Übrigens wurde im Rahmen dieser Studie jedes Kind, das mindestens eine Dosis der Impfung erhalten hat, als “geimpft” mit einbezogen, obwohl für den vollständigen Impfschutz mehrere Dosen erforderlich sind.

Insgesamt (also geimpfte und ungeimpfte Kinder zusammengenommen) hat sich die Rate der Krankenhauseinweisungen durch Rotainfektionen in den Jahren nach Einführung der Impfempfehlung um 60% bis 94% reduziert (07/08 um 75%, 08/09 um 60%, 09/10 um 94% und 10/11 um 80%).

In drei der vier untersuchten Jahren nach der Einführung der Impfung hat sich außerdem auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen der ungeimpften Kinder verringert: 07/08 um 50%, 09/10 um 77% und 10/11 um 25%.

Bis Ende 2010 wurde eine Durchimpfungsrate von 63% aller Kinder bis 5 Jahren erreicht. 78% aller Kinder unter einem Jahr waren zu diesem Zeitpunkt geimpft. Die Rate der Krankenhauseinweisungen ist deutlich stärker zurückgegangen als es die Durchimpfungsrate vermuten lässt. Außerdem mussten auch ungeimpfte Kinder nach der Impfeinführung seltener im Krankenhaus behandelt werden.

Dies zeigt, dass Herdeneffekte erzielt werden und der Schutz durch die geimpfte Herde funktioniert. Uns ist keine hygienische Revolution in den USA bekannt, die genau im Jahr 2007 stattgefunden hat. Die einzige Veränderung, die es in dem untersuchten Zeitraum gab, die diese Zahlen erklären kann, ist die Einführung der Schutzimpfung gegen Rotaviren.

Impfen schützt. Geimpfte Personen werden verlässlich vor Krankheiten geschützt.

Impfen nützt. Die gesamte Gesellschaft profitiert vom Herdenschutz durch geimpfte Personen.

Impfen verhindert Schaden. Leid durch Krankheiten und ihre Komplikationen wird verringert.

Quellen:
Leshem et al. Rotavirus Vaccines and Health Care Utilization for Diarrhea in the United States (2007–2011). Pediatrics. 2014 Jun 9. pii: peds.2013-3849.

Bild: Sheep on pasture © Baronb – Fotolia.com.

[1] http://www.arznei-telegramm.de/html/2008_11/0811111_02.html
(Hinweis: Der umfangreiche Beitrag ist von 2008. Seit August 2013 gibt es die allgemeine Empfehlung der STIKO zur Rota-Impfung.)

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KUKI 11 Juni 2014 – Keuchhustenimpfung schützt vor schwerem Keuchhustenverlauf

Im US Amerikanischen Bundesstaat Oregon gab es von 2010 bis 2012 einen Keuchhustenausbruch mit 624 Fällen. Dieser Ausbruch war außergewöhnlich gut dokumentiert, für fast alle Patienten (98.7%) waren Impfstatus, Behandlung, Herkunft und Krankheitsverlauf bekannt. 45% waren entsprechend der geltenenden Empfehlungen geimpft. Die Analyse ergibt:

Überhaupt jemals geimpfte Patienten hatten ein signifikant geringeres Risiko ins Krankenhaus zu müssen, oder schwer zu erkranken. Patienten, deren Impfungen auf dem empfohlenen Stand waren hörten signifikant früher auf zu husten.

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