Für Impfen/KUKI 18.09.2014 Verwechslung führt zu Todesfällen bei Impfaktion in Syrien

In jedem (Bürger)krieg, in dem Massen von Menschen vertrieben werden und eng in Lagern zusammengepfercht leben müssen, kommt es leicht zu katastrophalen Krankheitsausbrüchen. Mangelnde Hygiene und mangelnde Möglichkeiten, Quarantäne einzuhalten tragen zu der raschen Verbreitung von Krankheiten wie Cholera, Masern und manchmal sogar Polio bei.

Deshalb gibt es in Syrien zur Zeit von der WHO und UNICEF unterstützte Impfaktionen u.a. gegen Masern, welche von der Türkei aus organisiert werden. Über 60.000 Kinder wurden bereits erfolgreich gegen Masern geimpft. Mitte September, am 16.09.2014, kam es allerdings zu einem schweren Zwischenfall in Idlib im Nordwesten Syriens. Nach einer Impfung gegen Masern wurden viele Kinder schwach und einige (zunächst wurden 34 gemeldet, inzwischen ist die Zahl auf 15 korrigiert) verstarben kurze Zeit später.

Die Rebellen/Oppositionsregierung, die die Region kontrollieren, gingen von einer vorsätzlichen Manipulation der Impfstoffe aus. Diesen Vorwurf griffen die Medien zunächst auf [1]. Daraufhin wurden die Impfaktion zunächst ausgesetzt, um eine Untersuchung einzuleiten.[2] Das Ergebnis steht nun fest. Ursächlich für die Todesfälle ist eine folgenschwere Verwechselung der Injektionsflüssigkeit. Statt des Masernimpfstoffes wurde den Kindern ein Medikament namens Atracurium [3], ein Muskelrelaxans, injiziert.

Atracurium entspannt alle Muskulatur, die die Atmung kontrolliert, inklusive der des Zwerchfells. Gerade bei den jüngeren/leichteren Kindern zwischen 6 und 18 Monaten führte dies zum Tod [4].

Im Gegensatz zu den in Europa im Allgemeinen verwendeten Einzeldosis-Impfstoffen, kommen bei solchen Impfaktionen aus Kostengründen Mehrdosenbehältnisse zum Einsatz, aus denen die Impfung aufgezogen wird, so dass eine solche Verwechselung nicht nur ein, sondern gleich mehrere Opfer, fordert.

Die Todesfälle sind also nicht auf den Impfstoff zurückzuführen, eine Manipulation gab es nicht. Aber die Kinder wurden dennoch Opfer einer Impfaktion, bei der das Personal nicht die notwendige Sorgfalt walten liess. Diese Nachlässigkeit ist unentschuldbar.

Bildquelle: TRT.net

[1] http://www.theguardian.com/world/2014/sep/17/syrian-children-die-contaminated-measles-vaccine
[2] http://www.trt.net.tr/bosanski/news/detail/okolis-i-zdravlje/102/sirija-od-posljedica-vakcinacije-umrlo-20-djece/29612
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Atracurium
[4] http://www.theguardian.com/world/2014/sep/17/measles-vaccination-mix-up-syria-15-infants-killed

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