KUKI 07.09.2014 begünstigt die Windpockenimpfung eigentlich das Gürtelrosenrisiko?

Immer wieder hört man als Argument gegen die Windpockenimpfung für Kinder, dass dadurch das Risiko für Gürtelrose im späteren Leben (oder eben auch schon bei geimpften Kindern) erhöht ist – stimmt das?

Vorweg: das Windpockenvirus Varicella, bzw Herpes zoster (VZV) gehört zur Herpesfamilie, und genau wie das Virus Herpes simplex, das die Lippengeschwüre macht, hat man das Windpockenvirus sein Leben lang, wenn man damit einmal in Kontakt gekommen ist. Das gilt für das Wildvirus genau so wie für das Impfvirus.

Es ist in der Tat so, dass Gürtelrose immer häufiger auftritt. Allerdings berichten mehrere Studien, dass die Häufung schon in den 80er Jahren begann, bevor der Varizellen-Impfstoff 1995 in den Vereinigten Staaten eingeführt wurde. Die Gründe für diesen Anstieg sind nicht ganz klar. Derzeit gibt es keine eindeutigen Anhaltspunkte, dass der Anstieg in den USA durch das Windpocken-Impfprogramm beschleunigt wurde. Es gibt ähnliche Hinweise aus Kanada – dort haben die Gürtelrosenraten seit 1986 zugenommen, die Impfung wurde aber erst ab dem Jahr 2000 empfohlen. Eine (bisher nicht bewiesene) Hypothese ist, dass durch die geänderte Lebensweise (z.B. weniger Kinder in Familien, keine “Großfamilien” in denen Großeltern auf die Enkel aufpassen) Kinder und ältere Menschen mit nicht oft genug mit Windpocken in Berührung kommen und deshalb das in ihnen “ruhende” Virus nicht genügend in Schach gehalten wird. Auf jeden Fall existierte Gürtelrose lange vor der Impfung und inzwischen, 18 Jahre nach der Einführung der Impfung gegen Windpocken in den USA,  ist die Rate von Herpes zoster rückläufig. Geimpfte Kinder in den USA zeigen ein 79% niedrigeres Risiko für Gürtelrose als nicht geimpfte Kinder. Außerdem wurde in geimpften Kindern die Hälfte der Gürtelrosenfälle durch den VZV-Wildtyp ausgelöst. Dies deutet darauf hin, dass, wenn überhaupt, die Windpocken-Impfung dazu beitragen wird, Gürtelrosenraten langfristig zu senken. Die Angst vor Gürtelrose ist also kein Grund, das Risiko einer Windpockeninfektion (von uns auch hier und hier diskutiert) in Kauf zu nehmen.

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