In einem in der Wissenschaft eher seltenen Schritt hat das angesehene Medizinjournal “The Lancet” die 1998 von Andrew Wakefield und Kollegen publizierte Studie, die den MMR macht Autismus Wahn ausgelöst hat, zurückgezogen. Die Editoren schrieben Dienstag in ihrer Erklärung:

Following the judgment of the UK General Medical Council’s Fitness to Practise Panel on Jan 28, 2010, it has become clear that several elements of the 1998 paper by Wakefield et al1 are incorrect, contrary to the findings of an earlier investigation.2 In particular, the claims in the original paper that children were “consecutively referred” and that investigations were “approved” by the local ethics committee have been proven to be false. Therefore we fully retract this paper from the published record.

Dieser drastische Schritt folgt der Verkündung der Untersuchungsergebnisse des General Medical Council in England, der letzte Woche Wakefield und zwei seiner Kollegen bescheinigte unethisch gehandelt zu haben. So veranlassten die drei Ärzte schwere Eingriffe an Kindern (Rückenmarktspunktionen und Darmbiopsien) ohne medizinische Notwendigkeit und ohne Erlaubnis einer Ethikkommission. Darüber hinaus hatte Wakefield Gelder nicht richtig verwendet. Ebenso hatte er auf einer Geburtstagsparty seines Sohnes Blutproben der kleinen Gäste gegen eine “Entschädigung” von 5 Pfund  abgenommen und später auf einem Kongress darüber gescherzt wie “zwei Kinder ohnmächtig wurden und eins sich über seine Mutter übergeben musste” und dass er “nächstes Jahr dann sicher 10 Pfund zahlen müsste”. Es wird erwartet, dass auf Grund dieser Entscheidung über sein unprofessionelles und unethisches Vorgehen, Wakefield in Grossbritannien die Zulassung als Mediziner entzogen wird. Diese Entscheidung fällt im Sommer.

Für Kritiker Wakefields war diese Entscheidung lange überfällig. Das Lancet-Paper war immer wieder als “wissenschaftliche Legitimierung” der Ideen hervorgeholt worden, dass die Mumps-Masern-Röteln Impfung Autismus auslöst. In Grossbritannien hatte der Mediensturm, der nach der Veröffentlichung des Artikels mit Wakefields Hilfe losgetreten wurde zu einem dramatischen Abfall der Impfraten gefuehrt und in der Nachfolge zu Masernausbrüchen und einer Mumpsepidemie mit mehreren zehntausend Erkrankten. Andrew Wakefield leitet inzwischen die wissenschaftliche Abteilung von “Thoughtful House”, einer Klinik in Texas, die weiter autistische Kinder behandelt.

The Lancet hatte lange gezögert, obwohl schon im Jahr 2004 zehn Autoren der Originalstudie sich von der Interpretation der Studie distanzierten (Retraction of Interpretation). Medienberichten zufolge plante nun das British Medical Journal die Veröffentlichung eines Leitartikels zu dem Thema am heutigen Mittwoch, der The Lancet nun zuvorgekommen ist.

Es bleibt zu hoffen, dass sich das unprofessionelle Vorgehen von Andrew Wakefield und seinen Kollegen herumspricht, Eltern ihre Ängste vor der MMR Impfung bezwingen können und Eltern autistischer Kinder ihre Kinder nicht mehr für unethische Menschenversuche zur Verfügung stellen.

Ein Kommentar zu “Wurde auch Zeit - The Lancet zieht Wakefield Studie zurück”

  1. [...] GMC Befunde zog das angesehene Fachblatt The Lancet die kontroverse Veröffentlichung Wakefields zurück, in der erstmals (und anscheinend im Auftrag von Anwälten, die die Impfstoffhersteller verklagten) [...]

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