Monatsarchiv für April 2008

vaccinia

Masernausbruch in Salzburg

Es ist unglaublich wie kinderfeindlich und ignorant Impfgegner sind!

Da schreibt eine Universitas Paracelsus - medizinische Abteilung der biologischen Fakultät - die wohl nur ein Postfach hat, Folgendes:

“Gott sei Dank gibt es sie noch: die Masern - so können glückliche Salzburger Kinder unerwünschtes Erbgut in 10 Tagen abstoßen und müssen es nicht ein Leben lang mitschleppen.”

So ein Unsinn findet sich natürlich auf der HP der Österreichischen Hamer nahen initiative.cc

http://www.initiative.cc/Artikel/2008_04_02%20Masern_Paracelsus.pdf

Catherina

Kindermund tut Wahrheit kund

X ist zurück in der Klasse meiner Tochter. In der Woche nach den Osterferien war er zu hause mit Masern. Auf die Frage meiner Tochter, ob er denn nicht geimpft gewesen sei, kam die Antwort:

Meine Mutter denkt, dass Masern gut für mich sind, deshalb war ich nicht geimpft. Ich finde das doof, denn Masern haben mir garnichts gebracht.

Glücklicherweise war der Junge nicht sehr schwer erkrankt. Ich finde es dennoch bemerkenswert, dass er lieber zur Schule gegangen wäre.

1000 Kilometer weiter arbeiten sich die Masern in Deutschland auch nach Norden vor. Deshalb wurde vor 2 Wochen Kimberly gegen Mumps, Masern, Röteln und auch gleich Windpocken geimpft. Kimberly leidet unter Dravet Syndrom, einer schweren Epilepsie. Anfälle werden besonders leicht von Fieber ausgelöst, deshalb wären Masern, die oft mit Wochen langem Fieber einhergehen, für Kimberly lebensgefährlich. Aber auch Impfungen haben bei Kimberly schon einige Anfälle verusacht, weswegen ihre Mutter den Nutzen jeder Impfung genau gegen die Risiken abwägen muss. Glücklicherweise hat Kimy die Impfung verhältnismäßig gut überstanden. “Nur” 3 kleinere Anfälle in den 2 Wochen nach der MMR und jetzt dafür Schutz vor den Masern, von denen Kimberlys Mutter weiss, dass sie nicht gut für Kimberly wären.

Catherina

*das* ist ein Ausbruch

In den letzten Tagen musste ich immer wieder an Crocodile Dundee denken - hier, an diese Szene (nur die ersten 45 Sekunden gucken- auf Deutsch gab es den Ausschnitt leider nicht):

In San Diego, USA, gab es Ende Februar einen kleinen Masernausbruch. 12 Kinder (alle ungeimpft) steckten sich an, ausgehend von einem ungeimpften 7jährigen Kind, das in die Schweiz gereist war (also ich hätte mir Schoggi mitgebracht, aber ohne Impfschutz kann man sich das nicht so aussuchen). In den gesamten Vereinigten Staaten treten jedes Jahr nur noch um die 50 Masernfälle auf und deshalb waren dann 12 auch der Anlass für Aufregung in den Medien und einen Ausbruchsbericht im Mitteilungsblatt des Centers for Disease Control (CDC).

12 Fälle in 3 Wochen?! Na, also da haben wir doch was, was die Europäer besser können! Die Schweizer zum Beispiel, hatten seit Anfang Jahr über 600 Masernfälle und dabei haben die mit 7.5 Millionen Einwohnern nur ein Vierzigstel der Einwohner der USA. Und die Schweiz hat Masern zum Exportschlager gemacht - dieses Jahr sind Masern aus der Schweiz schon nach San Diego, Arizona, Hawaii, Deutschland und nach Österreich. Österreich ist mindestens genauso effizient: in den drei Wochen nach Ostern hat eine einzige Schule 3x soviele Masernfälle zusammengebracht wie die USA in 3 Jahren. Masern sorgen noch für Schulschliessungen in Österreich und Deutschland und Vorlesungsausfall in Innsbruck (potentiell auch in Salzburg)!

*Das* ist ein Ausbruch!

Es ist bloss die Frage, ob in diesem Fall nicht die Amerikaner mehr Grund haben, anzugeben. Ihnen ist durch konsequentes 2xMMR Impfen gelungen, Masern so gut wie auszurotten. Masernfälle sind in der Regel importiert und verbreiten sich kaum. Maserntodesfälle treten, im Gegensatz zu Europa, nicht mehr auf. Gelungen ist das in den USA unter anderem durch eine Impfpasskontrolle bei Kindergarten oder Schuleintritt. Wer nicht den Impfempfehlungen folgt, muss einen guten Grund haben. Es gibt medizinische Ausnahmen (für Kinder die nicht geimpft werden können) und je nach Bundesstaat auch philosophische (für Impfgegner) und religiöse (zum Beispiel für Zeugen Jehovas) Ausnahmen. Insgesamt bleibt bisher aber die Durchimpfungsrate so hoch, dass große Ausbrüche nicht auftreten, weil die Masern keinen “Nährboden” in Form von nicht Immunen finden.

Auch in Deutschland wird eine solche “Keine Impfung, kein Kindergartenplatz” Regelung gerade wegen der großen Masernausbrüche im Moment diskutiert (während des akuten Ausbruch wird die Impfpasskontrolle an den Schule ja schon praktiziert). Und so fördert letztendlich die Impfskepsis einiger Eltern (wie die an der Salzburger Waldorfschule) ein Impfmandat, dass keiner wirklich will.

Gesunder Menschenverstand und ein Blick auf die Zahlen sollte allen Eltern genügen sich für die Impfung zu entscheiden.

Catherina

Die Risiken des Impfbloggens

Auch von mir willkommen auf dem neuen Blog - gleich zum Anfang ein schweres Thema: Das Bloggen hat oft den Charakter und (seltener) die Qualität hervorragenden Journalismus. Kathleen Seidel, die Mutter eines autistischen Jugendlichen, widmet sich auf ihrer Seite http://www.neurodiversity.com/weblog seit einigen Jahren den Machenschaften der Gewinnler, die aus dem Märchen, Impfungen würden Autismus auslösen, ein Riesengeschäft gemacht haben. Darunter sind Ärzte, aber auch die Anwälte, die entweder gegen die Impfstoffhersteller oder um “Impfschadens-Entschädigung” klagen. Kathleens Beiträge sind extrem gut recherchiert und treffen, wie nachfolgend gezeigt, offensichtlich ins Schwarze.

Clifford Shoemaker, vertritt im Moment die Familie Sykes in ihrer Klage gegen diverse Impfstoffhersteller. Angeblich habe deren Impfstoff und/oder die Rhesus-Prophylaxe die Lisa Sykes in der Schwangerschaft erhielt den Sohn der Familie zum Autisten gemacht. Kathleen hat hier analysiert und sehr schön aufgelistet, wie Herr Shoemaker an den Entschädigungsklagen, ob nun erfolgreich oder nicht, verdient und damit wohl durchaus ein Interesse an solchen Klagen hat.

Einen Tag später flatterte Kathleen eine Vorladung ins Haus, in der sie nicht nur aufgefordert wird, für das obige Verfahren Sykes gegen Bayer ihre Finanzen offenzulegen, sondern unter anderem auch alle “Kommunikationen mit folgenden Bloggern (es folgt eine Liste, die aus der Linkliste von Neurodiversity abkopiert worden scheint)” und “Kommunikationen mit religösen Organisationen (muslimischen oder anderen)”. Die Vorladung kann man sich hier anschauen - sehr beeindruckend. Der Einspruch von Kathleen (denn mit dem Verfahren im Rahmen dessen sie geladen wurde, hat sie garnichts zu tun) liegt bei Gericht - in der Zwischenzeit geht dieser Versuch, eine “zu neugierige und findige” Bloggerin mundtod zu machen durch die Blogs, prominente Medizin- und Wissenschaftsblogger wie Orac und Pharyngula haben über die Geschichte berichtet und sie sehr richtig als Versuch der “Zensur durch Einschüchterung” identifiziert.

Das ist wohl das Risiko des sorgfältigen Bloggens, der Enthüllung der finanziellen Interessen an der Impfdiskussion beteiligter. Kein Grund das Bloggen zu lassen - im Gegenteil!

UPDATE: das Gericht ist am 21.04.2008 dem Antrag von Kathleen Seidel, die Vorladung von Clifford Shoemaker niederzuschlagen, nachgekommen und droht ihm gleichzeitig Sanktionen wegen Missbrauchs solcher Vorlagen an.